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Zwei Nachtbürgermeister für Heidelberg

„Wir wollen ein buntes und vielfältiges Heidelberg” – Ein Gespräch mit Jimmy Kneipp und Daniel Adler

Nachdem Mannheim bereits vor zweieinhalb Jahren die Position des Nachtbürgermeisters schuf und damit Hendrik Mayer zum ersten „Night Mayor“ Deutschlands machte, hat der Heidelberger Gemeinderat in diesem Februar nachgezogen und mit Daniel Adler und Jimmy Kneipp in einem dritten Anlauf ein Nachtbürgermeister-Tandem beschlossen. Dessen Aufgabe: Der Nachtkultur Heidelbergs ein Konzept geben und unter anderem als Vermittler im jahrelangen Streit um den nächtlichen Lärm in der Altstadt agieren. Dafür werden beide befristet auf ein Jahr beim Heidelberg Marketing beschäftigt. Im Gespräch mit unserem Magazin haben die beiden verraten, warum sie glauben, sich als Team optimal zu ergänzen und was ihre langfristigen Ziele für Heidelbergs Nachtleben sind.

Daniel Adler besitzt seit 6 Jahren eine Medienagentur und hat zwei Stadtportale gegründet, Jimmy Kneipp ist Gastronom und betreibt das Bistro „Fandango“ in Heidelberg-Rohrbach. Kennengelernt haben sich die beiden über Daniels Projekt „Kneipenaffe“ vor über zwei Jahren und seitdem schon öfter zusammengearbeitet. Die Entscheidung, gemeinsam für das Amt des Nachtbürgermeisters zu kandidieren, kam ihnen durch die Organisation eines Glühwein-Spaziergangs durch Heidelberg Rohrbach.

„In der Durchführung dieses Spaziergangs kam es zu großen Missverständnissen zwischen Betreibern, der Stadt Heidelberg, der Polizei, dem Kommunalen Ordnungsdienst und den Gästen. Eine unabhängige vermittelnde Instanz hätte hierbei erheblich helfen können.”

erzählt Jimmy Kneipp im Interview, Daniel Adler ergänzt:

„Im Nachgang standen wir beide quasi täglich im Austausch und kamen zum Entschluss uns gemeinsam als Duo für die Stelle des Nachtbürgermeisters zu bewerben. Gemeinsam, weil wir beide ja bekanntlich selbstständig tätig sind und diese Projekte nicht aufgeben möchten und uns zusammen zum einen entlasten und zum anderen in unseren Erfahrungen und Kompetenzen ideal ergänzen.”

Als Nachtbürgermeister sind die beiden nun zentrale Anlaufstelle für alle Personen, die mit dem Heidelberger Nachtleben in Berührung kommen: Gastronomen, Kulturschaffende, Veranstalter ebenso wie Anwohner, Feiernde und Politiker. Von seiner Arbeit als Duo erhofft sich das Team gemeinsam von den individuellen beruflichen Hintergründen profitieren zu können. Auf seine Erfahrungen angesprochen, erzählt Jimmy:

„Als Gastronom bringe ich praktische Erfahrungen mit ein. Ich kenne und erleb(t)e den Interessenkonflikt zwischen Anwohnern, Gästen und Betreibern täglich in der Praxis. Ich weiß um die verschiedenen Interessen und weiß, wie man mit den einzelnen Anspruchsgruppen kommunizieren muss. Ich kenne unseren überladenen Bürokratie-Apparat und weiß, wie ermüdend und frustrierend es für Gastronomen sein kann, wenn man mal etwas von der Stadt braucht oder beantragen möchte.”

Daniel fährt fort:

„Durch meine Erfahrung als Betreiber einer Medienagentur und zweier Stadtportale, mit denen ich bereits einige Events veranstaltet habe, versuche ich mein Know-How vor allem durch realitätsnahe Konzepte einzubringen. Die Nutzung von Sprachrohren wie den sozialen Medien, Websites und PR sind mein täglich’ Brot – das ist für unsere Stelle vor allem insofern relevant, als dass wir über unsere Tätigkeiten und Fortschritte offen und transparent kommunizieren möchten.”

Auch in Hinblick auf den eigenen Bezug zu Heidelberg, haben die 32-jährigen einen unterschiedlichen Blickwinkel. Daniel Adler ist geborener Heidelberger, plant wieder in die Stadt am Neckar zu ziehen und erzählt:

„Ich bin in Heidelberg geboren, und seit eh und je durch Freunde, Familie und Verwandte in der Stadt verwurzelt. Aktuell wohne ich in Mannheim, suche aber schon seit Monaten nach einer Wohnung in Heidelberg.”

Jimmy Kneipp hingegen ist in Berlin geboren, nennt die Stadt am Neckar allerdings schon seit einer ganzen Weile sein Zuhause.

„Ich wohne, mit kleineren Unterbrechungen, jetzt seit über 25 Jahren in Heidelberg. Heidelberg ist meine Heimat.”

Nun ist das Heidelberger Nachtleben aufgrund der Coronapandemie aktuell stillgelegt, Partys in der Heidelberger Hauptstadt gehören der Vergangenheit an. Das nimmt auch auf die Projektplanung Einfluss. Ein großes Ziel für die nahe Zukunft soll sein, die Außengastronomie in Heidelberg wieder zu ermöglichen – sofern das Infektionsgeschehen dies zulässt. Daniel und Jimmy erläutern:

„Grundsätzlich ist es doch so, dass das Risiko sich an der frischen Luft anzustecken minimal ist. Auf die Modelle in Tübingen und Rostock lässt sich definitiv aufbauen. Die Testmöglichkeiten in Heidelberg werden aktuell stark ausgebaut, mit dem Impfen kommen wir vergleichsweise gut voran – unter Einbeziehung der Luca-App und mit tagesaktuellen Schnelltests sollte es, wenn wir die Corona-Zahlen wieder im Griff haben, in der jüngsten Stadt Deutschlands möglich sein, dann auch die Außengastronomie wieder zu öffnen, sowie weitere Ausgeh-Angebote im Freien zu ermöglichen. Wenn nicht wir, wer dann?”

Auch der ewige Streit um die Lärmbelastung in der Altstadt soll gelöst werden, wegen dem zuletzt der Verwaltungsgerichtshof einen Lärmgutachter bestellt hatte.

„Hierfür möchten wir zunächst mit allen Beteiligten sprechen und anschließend einen konstruktiven runden Tisch installieren und einen für alle Seiten akzeptablen Kompromiss finden.”

Ein weiteres großes Thema in der Arbeit der Nachtbürgermeister ist das Clubsterben. Spätestens nachdem die Heidelberger Traditionslocation Halle02 im letzten Jahr ihr vorerstes Ende ankündigte, bekamen viele Heidelberger diese Problematik deutlich zu spüren.

„Das Thema Clubsterben beschäftigt uns genauso. So möchten wir zum einen kurzfristig dezentral Freiflächen in den verschiedenen Stadtteilen für die Sommermonate finden, die für Kulturschaffende, Gastronomen und Clubbetreiber nutzbar sind. Mittelfristig möchten wir leerstehende Gewerbeeinheiten über Pop-Up-Clubs und –Bars zwischennutzen. Langfristig ist es unser Ziel neue Clubs anzusiedeln und vielleicht auch bestehende Clubs wiederzubeleben, hierfür sind wir bereits mit potenziellen Partnern in Gesprächen. Auch wollen wirwiederkehrende Events etablieren, die Heidelberg als Kulturstandort hervorheben.”

Einig sind sich die „Night Mayor“ darin, dass die Heidelberger Nachtkultur großes Potenzial birgt. So sind sich beide einig:

„Heidelberg hat ein sehr vielfältiges und hungriges Publikum, ein schlafender Riese quasi, den wir aus dem Tiefschlaf zu neuem Leben erwecken möchten. Früher war die Nachtkultur definitiv abwechslungsreicher und da möchten wir wieder hin. Unsere Aufgabe ist es, dieses Potenzial zu erfassen und ein Angebot zu entwickeln, das diesem gerecht wird. Wir wollen ein buntes und vielfältiges Heidelberg, in dem alle Altersgruppen ihre Anlaufstellen haben und sich dort ausleben können.”

Die Rückkehr zum Heidelberger Nachtleben scheint aktuell in unbekannter Ferne zu liegen und die Coronapandemie lastet schwer auf den Schultern von Heidelberger Gastronomen und Nachtclubbesitzern.  Das Thema Lärmbelästigung in der Heidelberger Altstadt hat in jüngster Zeit hingegen an Brisanz verloren hat. Der von der Stadt geschaffene Posten für die Heidelberger Night Mayors verspricht dabei, dass die Heidelberger Nachtkultur trotz aller Beschränkungen nicht in Vergessenheit gerät.

Nachtbürgermeister

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